Betreff
Konzept zur Verlegung des Frühjahrsmarktes in die Innenstadt
Vorlage
3/036a/2006
Art
Beschlussvorlage

Beschlussvorschlag:

Der Nienburger Frühjahrsmarkt wird ab 2007 in die Innenstadt verlegt. Grundlage ist das in der 1. Alternative dargestellte Konzept mit der Erweiterung des Marktbereiches auf die gesamte Lange Straße und den Bgm.-Stahn-Wall (Springbrunnenbereich).

Sachdarstellung:

Nach Ende des 2. Weltkrieges wurden die Jahrmärkte der Stadt Nienburg/Weser (Frühjahrs- und Herbstmarkt) in der Innenstadt auf dem Schloßplatz abgehalten. 1959 wurden die Jahrmärkte übergangsweise auf den Scheibenplatz verlagert, bis sie schließlich 1970 auf die Festwiese umzogen. Dieser Platz wurde eigens für Veranstaltungen hergerichtet und die Infrastruktur incl. Toilettengebäude bereitgestellt. Seit den 80’er Jahren wird von den Schaustellern eine Verlegung der Jahrmärkte auf den Schloßplatz bzw. in die Innenstadt angestrebt. Analysen über die verbesserten Einkommens- und Umsatzmöglichkeiten haben diese Bemühungen verstärkt. Nicht zuletzt wurde aus dem politischen Raum eine Unterstützung dieses Vorhabens signalisiert. Im Jahre 1989 wurde im Rahmen der Untersuchung zur Erweiterung des Sanierungsgebietes "Altstadt Nienburg/Weser" verwaltungsseitig darauf hingewiesen, dass eine Neugestaltung des Schloßplatzes eine Nutzung für Veranstaltungen berücksichtigen sollte. Auch der darauf folgende Wettbewerb "Umgestaltung des Schloßplatzes" hatte im Rahmen der funktionellen Gestaltung die Anforderung, die Fläche für Veranstaltungen nutzbar zu machen. Die Umgestaltung des Schloßplatzes wurde als Parkfläche mit multifunktioneller Nutzung 2004 abgeschlossen.

Volksfeste sind nach einer Marktstudie der Freizeit- und Tourismusberatung GmbH, Köln, aus dem Jahre 2000 im Bezug auf Besucherzahlen und Umsätze das bedeutendste Segment der Freizeitwirtschaft. Weiterhin nehmen Volksfeste durch den großen Werbe- und Imageeffekt eine wichtige Stellung im Stadtmarketing ein. Durch die Verlagerung von Volksfesten in die Innenstadt erfolgt ein belebender Effekt, der auch den ortsansässigen Geschäften zugute kommt und zu höheren Umsätzen, z.B. des Einzelhandels, der Gastronomie, des Transportgewerbes usw., führt.

In den letzten Jahren sind die Umsätze der Schausteller z. T. drastisch gesunken. Dieses macht sich in der Stadt Nienburg mit ca. 40 Schaustellerfamilien bemerkbar. Mittlere Jahrmärkte haben sich teilweise zu reinen Jugendveranstaltungen entwickelt. Aufgrund des demografischen Wandels wird die Zielgruppe der 6 – 36 jährigen Besucher mittelfristig weiter schrumpfen. Neben Internet, Handy und Spielekonsolen tragen auch die Freizeitparks zu dem beklagten Besucherrückgang bei.

Die Zielgruppe der über -40- jährigen ist eher mäßig auf den Volksfesten vertreten. Eine strategische Neuausrichtung der Volksfeste muss sich demgemäß daran orientieren, diese Zielgruppe wieder zurück zu gewinnen.

Dazu beitragen kann im Wesentlichen auch die Verlegung der Volksfeste in die Innenstädte unter Einbindung des örtlichen Gewerbes. Allein das Ambiente der Innenstadt wird mittelfristig dazu beitragen, andere Zielgruppen wieder zu erreichen.

Durch Kooperation und Einbindung lokaler Vereine, des Einzelhandels, der Gastronomie, der Politik und auch der Prominenz wird die Identifikation der Gäste mit dem jeweiligen Fest gestärkt.

Durch die Verlagerung des Frühjahrsmarktes in die Innenstadt würde eine räumliche Anbindung an den "Verkaufsoffenen Sonntag" erfolgen, der aus Anlass dieses Marktes gemäß den Bestimmungen des Ladenschlussgesetzes überhaupt stattfinden darf. Die Verlagerung in die Innenstadt würde den Zusammenhang zwischen beiden Veranstaltungen deutlicher als bisher herausstellen.

Der Frühjahrsmarkt beginnt bisher laut Marktsatzung am ersten Donnerstag im April und endet am darauf folgenden Sonntag. Bei einer Verlegung in die Innenstadt würde der Frühjahrsmarkt um den Donnerstag verkürzt und lediglich von Freitag bis Sonntag stattfinden.

Auf dem Frühjahrsmarkt werden Geschäfte mit durchschnittlich ca. 700 Frontmetern bebaut. Diese Geschäfte werden von 70 Schaustellern aus etwa 50 Schaustellerfamilien betrieben. Der größte Teil der am Frühjahrsmarkt beteiligten Schaustellerfamilien stammt aus dem Raum Nienburg.

Marktzeit an den Markttagen ist grundsätzlich von 14.00 bis 23.00 Uhr. Die Sperrzeit auf Jahrmärkten beginnt gemäß der Nds. Sperrzeitverordnung um 23.00 Uhr und endet um 06.00 Uhr. Diese kann bei Vorliegen eines öffentlichen Interesses verlängert oder verkürzt werden.

Der Aufbau der am Frühjahrsmarkt beteiligten Geschäfte würde am Mittwoch frühestens ab 19.00 Uhr erfolgen. Hierbei wäre der Zugang zu den Geschäften, die im Veranstaltungsbereich ansässig sind, zu garantieren. Der Abbau wäre bis 14.00 Uhr des auf die Veranstaltung folgenden Montag abgeschlossen.

Die Wohnwagen, die Zugfahrzeuge sowie nicht für den Betrieb der Geschäfte benötigte Fahrzeuge der Schausteller würden auf der Festwiese abgestellt werden.

Der Anfang April terminierte Frühjahrsmarkt mit dem "Verkaufsoffenen Sonntag" bildet den Auftakt der städtischen Außenveranstaltungen. Die Veranstaltung passt terminlich in die Gesamtplanung und könnte durch die Verlegung in die Innenstadt zu einem großen Besuchermagnet werden.

Ein Nebeneffekt der Verlegung wäre die deutliche Abgrenzung zu dem weniger in das Veranstaltungskonzept passenden Herbstmarkt auf der Festwiese.

Nach der Neugestaltung des Schloßplatzes als auch nach der Umgestaltung des Bereiches der südlichen Langen Straße/Mühlenstraße bieten sich für die mögliche Verlegung des Frühjahrsmarktes in die Innenstadt zwei Alternativen an.

Bei beiden Alternativen sind eventuell auftretende Beeinträchtigungen der Gewerbetreibenden / Anlieger von vornherein auf ein Minimum zu reduzieren.

 

Alternative 1:

Veranstaltungsort: Kirchplatz, Marktplatz, Lange Straße zwischen Georgstraße

bzw. Marktplatz und Spargelbrunnen, Frei- und Parkfläche

Mühlenstraße, Posthof, Rathausinnenhof

Aufbau: Große Fahrgeschäfte / Kinderfahrgeschäfte in den Bereichen Kirchplatz, Spargelbrunnen und Park- und Freifläche Mühlenstraße. Spiel- und Verkaufsgeschäfte sowie Imbisse und Ausschankstände im gesamten Bereich. Ein Veranstaltungszelt könnte von einem der anliegenden Gastronomen betrieben werden.

Toiletten: Öffentliche Toiletten (Rathaus und Neue Straße) sowie

Toilettenwagen

Strom: Aus fest installierten Anschlussstellen sowie Verteilerkästen

(wie beim Altstadtfest)

Wasser: Entnahme aus dem öffentlichen Netz (Standrohre)

Abwasser: Entsorgung über vorhandene Kanalisation

Bei dieser Alternative kann auf Erfahrungswerte des Altstadtfestes zurückgegriffen werden, da der Bereich den Schwerpunkt bei der jährlich stattfindenden Großveranstaltung bildet.

Eine Verlegung des Wochenmarktes für das Frühjahrsmarktwochenende in den Bereich der gepflasterten Fläche Amtsbogen (zwischen Media Markt und Amtsgericht) oder auf dem Schloßplatz wäre zu prüfen.

Parkflächen würden an diesem Wochenende lediglich im Bereich Mühlenstraße entfallen.

Die Einbeziehung der örtlichen Gastronomie, z.B. Mister Q, Hasbergscher Hof, Cup & Cino u.a., würde dem Markt zusätzliche Attraktivität verleihen.

Das Feuerwerk, welches bisher freitags hinter der Festwiese abgebrannt wurde, könnte bei dieser Alternative auf den Wiesen der anderen Weserseite in altbewährter Form stattfinden.

Vorteile: Nachteile:

- echter Innenstadtmarkt - Beeinträchtigung der Anlieger und Geschäfts-

- vorhandene Infrastruktur inhaber

- Erfahrungswerte durch Altstadtfest und - Wochenmarkt müsste ausfallen oder

anderen Veranstaltungen verlegt werden

- geringe Inanspruchnahme von Parkflächen

- Feuerwerk kann stattfinden

- geschlossenes Marktbild

- tolles Ambiente

 

 

Alternative 2:

Veranstaltungsort: Ebenerdiger Parkplatz Schloßplatz, Zufahrt zum Schloßplatz,

Rhienstraße, Bereich Bürgermeister-Stahn-Wall um den Spring-

Brunnen.

Aufbau: Groß- und Kinderfahrgeschäfte auf dem Schloßplatz und auf dem Bürgermeister-Stahn-Wall. Spiel- und Verkaufsstände,

Imbisse und Ausschankstände im gesamten Veranstaltungs-bereich. Ein Veranstaltungszelt könnte im Bereich des Spring-brunnens aufgestellt werden (ggf. durch anliegende Gastronomie).

Toiletten: Öffentliche Toiletten am Stahnwall sowie Toilettenwagen

Strom: Aus fest installierten Anschlussstellen sowie Verteilerkästen

(wie beim Altstadtfest 2006 und Weihnachtsmarkt)

Wasser: Entnahme aus dem öffentlichen Netz (Standrohre)

Abwasser: Entsorgung über vorhandene Kanalisation

 

 

Beim Altstadtfest 2006 wurde erstmalig auf der ebenerdigen Parkfläche des Schloßplatzes eine "Vergnügungsmeile" mit Fahrgeschäften und kleineren Ständen aufgebaut. Da die Fläche für den Frühjahrsmarkt jedoch nicht ausreicht, muss der Veranstaltungsbereich auf den Bürgermeister-Stahn-Wall erweitert werden. Diese Fläche wird bereits für den Weihnachtsmarkt seit Jahren genutzt. Diese Erfahrungswerte könnten bei dieser Alternative genutzt werden.

Andere Veranstaltungen (z.B. Wochenmarkt) würden nicht beeinträchtigt.

Der ebenerdige Parkplatz auf dem Schloßplatz würde für den Veranstaltungszeitraum als Parkfläche nicht zur Verfügung stehen.

Eine Zufahrt zum Parkhaus und in die Bereiche Amtsbogen/Weserstraße muss gewährleistet sein.

Das traditionelle Höhenfeuerwerk könnte bei dieser Alternative in der bisherigen Form nicht durchgeführt werden.

 

Vorteile: Nachteile:

- problemloser Aufbau - Wegfall attraktiver Parkfläche

- Nutzung durch Veranstaltungen wurde - Stromversorgung ist begrenzt

bei der Umgestaltung berücksichtigt - Gemütlichkeit fehlt

- keine Beeinträchtigung des Wochen- - kein Feuerwerk möglich

marktes und der Anlieger - kein echter Innenstadtmarkt

- keine Einbeziehung der örtlichen

Gastronomie

 

 

Nachfolgende Stellen wurden im Rahmen einer Anhörung um Stellungnahme gebeten:

- Industrie- und Handelskammer

- Einzelhandelsverband Hannover e.V.

- Schaustellerverband Nienburg und Umgebung

- Schaustellerverein Nienburg und Umgebung e.V.

- Polizeiinspektion Nienburg-Schaumburg

- Kirchenkreis Nienburg

- Werbegemeinschaft Nienburg-Service

- Stadt Nienburg/Weser - Sachgebiet 33 -

- Stadt Nienburg/Weser - Fachbereich 6 -

- Wirtschaftsbetriebe Stadt Nienburg GmbH

Die Industrie- und Handelskammer spricht sich in ihrer Stellungnahme unter Berücksichtigung der zu minimierenden Beeinträchtigungen für die 1. Alternative aus.

Der Einzelhandelsverband Hannover-Hildesheim begrüßt die Verlegung in die Innenstadt sehr und bevorzugt ebenfalls die 1. Alternative. Weiterhin sieht der Einzelhandelsverband in der Verlegung eine deutliche Chance, die Attraktivität der Innenstadt für Besucher aus dem Großraum Nienburg zu erhöhen.

Der Schaustellerverband Nienburg und Umgebung begrüßt eine Verlegung in die Innenstadt, ohne sich auf eine Alternative festzulegen.

Aus verkehrspolizeilicher Sicht hat die Polizeiinspektion Nienburg-Schaumburg keine Bedenken, wobei hier die 2. Alternative favorisiert wird.

Die Werbegemeinschaft Nienburg Service weist darauf hin, dass ein Jahrmarkt in der Innenstadt den Handel erschwert, wie Befragungen z.B. in Rinteln oder Verden bezüglich der Handelsumsätze ergaben. Einer Verlegung unter der Voraussetzung einer guten und attraktiven Bestückung des Marktes und der Maßgabe, dass Geschäfte nicht zugestellt werden, stimmt die Werbegemeinschaft allerdings zu. Sie erhebt gegen die 1. Alternative weniger Bedenken.

Die Wirtschaftsbetriebe Stadt Nienburg GmbH befürwortet ebenso die 1. Alternative, da bei nahezu gleicher Infrastruktur die Beeinträchtigungen hier geringer sind und der meistgenutzte Parkplatz (ebenerdiger Parkplatz Schloßplatz) für das Geschäftsleben in der Innenstadt unverzichtbar ist.

 

Nach Abwägung der Interessen sowie der Vor- und Nachteile wird dem Ausschuss für Sicherheit und Ordnung verwaltungsseitig die Alternative 1 vorgeschlagen.

 

Der Ausschuss für Sicherheit und Ordnung hat die Angelegenheit in seiner Sitzung am 11.01.2007 beraten. Abweichend vom ursprünglichen verwaltungsseitigen Beschlussvorschlag, den Frühjahrsmarkt nur im Bereich der Alternative 1 stattfinden zu lassen, schlug Herr Munk für die SPD-Fraktion vor, den Veranstaltungsbereich auf die gesamte Lange Straße sowie den Bgm.-Stahn-Wall (im Bereich des Springbrunnens) auszuweiten. Der Ausschuss stimmte diesem Vorschlag mit 1 Gegenstimme zu.

 

Anlagen:

Studie der Freizeit- und Tourismusberatung Köln