Stadt Nienburg/Weser

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BezeichnungInhaltBezeichnungInhalt
Name:11/143/2010  
Art:Sachstandsbericht  
Datum:17.12.2010  
Betreff:Konzept Burghügel Wölpe
DokumenttypBezeichnungAktionen
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Sachdarstellung:

 

 

KONZEPT Burghügel Wölpe

Steht mit dem Schlossturm als Rest der ehemaligen Residenz der Hoyaer Grafen in der heutigen Altstadt von Nienburg unmittelbar an der Weser ein wichtiges Zeugnis gräflicher Herrschaft, liegt im Ortsteil Erichshagen-Wölpe am nordöstlichen Ortsausgang Richtung Steimbke im niedrigen Gelände unmittelbar am Flüsschen Wölpe der heute unbebaute Burghügel der ehemaligen Grafen von Wölpe. Diese Niederungsburg ist ein historisch wie archäologisch bedeutsames Denkmal des Mittelalters und der Neuzeit. Die gesamte Anlage ist als Bodendenkmal durch das Niedersächsische Denkmalschutzgesetz geschützt.

Die Burg als Hauptsitz der Wölper Grafen taucht 1151 in den Schriftquellen auf. 1625 wurde die Burg im 30jährigen Krieg zerstört, anschließend diente der Hügel als Standort für das Amtshaus. Nach der Aufhebung des Amtes Wölpe wurde die Anlage mit seinen Gebäuden 1876 zum Abbruch verkauft.

Neben dieser historisch bedeutenden Burganlage gibt es im Ort weitere herausragende Belege aus vergangener Zeit, wobei der Wölper Hängeschmuck aus der Eisenzeit, die j Burgfleckensiedlung Schmiedestraße/ Am Drosch, die Fachwerkkirche, die Hügelgräber und die Gebäudegruppierung am Amtshaus herausragen.

Der Burghügel spielt im Bewusstsein insbesondere bei älteren Einwohnern eine große Rolle, diente er doch als geheimnisumwitterter Spielplatz, der zum eigenen Forschen und Nachdenken anregte. In den letzten Jahren ist insbesondere durch die schlechte Zuwegung die ehemalige Burganlage etwas aus dem Auge geraten.

Ziele

Die Bevölkerung im heutigen Ortsteil Erichshagen-Wölpe ist sich ihrer eigenen Identität bewusst. Dies drückt sich unter anderem darin aus, dass der historische Name "Wölpe" wieder gebraucht wird. So tritt auch z. B. der Spielmannzug unter dem Namen "Wölpe" im Ort und auch anderenorts so auf. Dieses aktive Interesse an der Geschichte ist positiv zu bewerten, zumal sie die Bindung an den heimatlichen Raum für Einheimische wie für Zugezogene stärkt und insgesamt die Wohnortqualität steigert. Eine weitere Aufarbeitung der historisch-archäologischen Situation um den Burghügel dient darüber hinaus der Bildungsarbeit für Jung und Alt überhaupt und macht den Ort attraktiver für den Tourismus. So bietet sich die Situation geradezu an, ihn noch deutlicher an das vorhandene Radwegenetz anzuschließen.

Maßnahmen

1. Im Bereich des Burghügels

Das ganze Jahr sollte der Hügel bequem für Fußgänger wie auch Radfahrer zugänglich sein. Dazu sind die entsprechenden Pflegemaßnahmen wie die Beseitigung hochwachsender Vegetation kontinuierlich durchzuführen. Zum Burghügel sollte ein schmaler befestigter Weg eingerichtet werden, möglicherweise kann ein Fahr- und Fußweg parallel zur vorhandenen historischen Zuwegung

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hergestellt werden. Vom Hügel ist jeglicher Unrat zu beseitigen, ebenso umgestürzte Bäume und faulende Vegetation.

Damit möglichst keine Beschädigungen des Bodendenkmals eintreten, bietet sich eine moderne archäologisch-bodenkundliche, Erkundung an (Geo-Radar). Dann brauchen zunächst keine teueren Grabungen durchgeführt werden. Unter der Obhut des Kommunalarchäologen sollten weitere Oberflächenfunde gesammelt und genauestens registriert werden. Eine Luftbild-Prospektion ergänzt die ersten Erkundungen.

2. Historische Erkundung

Weitere inhaltliche Aufarbeitungen können durch Forschung in den Archiven und Bibliotheken geleistet werden. Dazu gehören auch Pläne und Karten, wie aber auch mündliche Befragungen älterer Einwohner. Die privat gesammelten Stücke könnten für die Bestimmung bereitgehalten werden.

Finanzierung

Da für einen Teil, insbesondere der archäologisch, bodenkundlichen Untersuchungen nur Fachfirmen in Frage kommen, fallen Kosten an. Gleiches gilt z. B. für Repros von Plänen und Fotos sowie für die Luftbild-Archäologie.

In weiteren Schritten treten Kosten z. B. für den Wegebau, die Aufstellung von Bänken und Papierkörben, von Hinweistafeln und möglicherweise auch von Rekonstruktionen historischer Bauteile der Burg auf. Überlegenswert ist auch die Nutzung des aktuell leer stehenden Amtshauses direkt am Eingangsweg. Hier könnten historische Ergebnisse dokumentiert und präsentiert werden. Ebenfalls könnte dort eine Art "Geschichtswerkstatt" einen gesellschaftlich bedeutsamen Raum bekommen.

Es ist zu prüfen, ob neben dem Landschaftsverband Weser-Hunte e. V. (der Museumsverein Nienburg/Weser hat einen ersten Antrag für die archäologische Prospektion für 2011 gestellt), private Stiftungen im Raum Nienburg und kommunale Mittel in Frage kommen. Die Gll in Sulingen kann feste Bauten fördern wie z. B. Hinweistafeln, Bänke und ggf. auch Bauliches im erwähnten Amtshaus.

Bürgerschaftliches Engagement

Als außerordentlich positiv ist zu bewerten, dass sich eine Gruppe um den Ortsrat Erichshagen-Wölpe herum für den historischen Burghügel aktiv eingesetzt hat. Hier sind bereits verschiedene Fachleute bei den Arbeiten draußen wie auch bei den Erkundungen historischen Materials tätig geworden.

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Kooperation

Die Aufwertung des Burghügels Wölpe braucht die Zustimmung der näheren und auch weiteren Bevölkerung. Dies ist durch weitere Kooperationen zu fördern, die jedoch bereits in gutem Maße angebahnt worden. So läuft die Arbeit bereits parteiübergreifend im Ortsrat, der Arbeitsgemeinschaft Burghügel, dem Museumsverein Nienburg/Weser, dem Kommunalarchäologen Dr. Jens Berthold in Bückeburg, der Stadt Nienburg, der GLL in Sulingen, dem Landschaftsverband Weser-Hunte e. V. und anderen.

Es ist positiv zu bewerten, dass der "fast vergessene" historisch wertvolle Burghügel Wölpe in ein neues Licht gerückt werden soll. Der große Vorteil ist, dass ein gut erkennbarer Platz in äußerst interessanter Lage in der Landschaft vorhanden ist, das Interesse an Geschichte bei der Bevölkerung überhaupt wächst und ein großes Verlangen danach besteht, geführt und angeleitet zu werden.

 (Dr. Eilert Ommen Museumsleiter)