Betreff
Verleihung des Ehrenbürgerrechts der Stadt Nienburg/Weser an Herrn Prof. Dr. Volker Neuhoff
Vorlage
4/009/2015/1
Art
Beschlussvorlage

Beschlussvorschlag:

 

Herrn Prof. Dr. Volker Neuhoff wird gemäß § 29 Abs. 1 des Niedersächsischen Kommunalverfassungsgesetzes in Anerkennung seiner Verdienste für die Förderung der Wissenschaft und Kultur das Ehrenbürgerrecht der Stadt Nienburg/Weser verliehen.

 

Sachdarstellung:

 

Gemäß § 29 Abs. 1 Niedersächsisches Kommunalverfassungsgesetz kann eine Gemeinde Personen, die sich um sie besonders verdient gemacht haben, das Ehrenbürgerrecht verleihen. Es wird angeregt, Herrn Prof. Dr. med. Volker Neuhoff angesichts seiner großen Verdienste für seine Heimatstadt das Ehrenbürgerrecht der Stadt Nienburg zu verleihen.

Volker Neuhoff, am 14.01.1928 in Hamburg geboren und in Berlin aufgewachsen, legte 1948 sein Abitur in Nürnberg ab und studierte anschließend Medizin in Erlangen und Tübingen, wo er 1954 zum Dr. med. promovierte. Wissenschaftlichen Forschungen in Tübingen und an der Freien Universität Berlin folgte 1964/65 seine Habilitation und der Beginn einer bemerkenswerten wissenschaftlichen Karriere, die ihn ab 1974 bis zum Leiter der Forschungsstelle Neurochemie am Max-Planck-Institut für experimentelle Medizin in Göttingen beförderte. 490 Publikationen in nationalen und internationalen wissenschaftlichen Journalen, Führungsfunktionen in renommierten Verbänden und Aufsichtsräten, unter anderem als Senator der Deutschen Forschungsgemeinschaft und Chairman eines NATO Special Programms, belegen Volker Neuhoffs exponiertes wissenschaftliches Renommee.

Bereits 1959 begann die Neuhoff`sche Nienburg-Zeit an der Seite seiner Frau Dr. Hildegard Neuhoff-Fricke, Nienburgerin in der 5. Generation und damit eine beispielhafte Identifikation mit seiner neuen Heimatstadt. Besonders zum Ende seiner erfolgreichen Berufslaufbahn am Max-Planck-Institut, Anfang der 1990er Jahre konnte sich Prof. Neuhoff seiner besonderen Leidenschaft, der Schnitzkunst und dem bildnerischem Gestalten, mit Hingabe widmen. Neben den  zahlreichen gekonnten Schnitzarbeiten ragen aus dem eigenschöpferischen Wirken Neuhoffs insbesondere die überlebensgroßen Bronzeskulpturen „Widukind „und „Karl der Große“ vor dem Kirchenportal St. Martin, sowie zwei unterschiedlich gearbeitete Bronzeskulpturen von Georg Christoph Lichtenberg für die Städte Göttingen (1992) und Stade (1999) hervor. Sämtliche Werke erfolgten als Schenkung an die Städte. Als zu Beginn der 1990er Jahre die St. Martinskirche saniert wurde, kamen alte Wandmalereien zum Vorschein. Prof. Neuhoff erkannte ihre Bedeutung und leitete das Notwendige ein, um die eindrucksvollen Arbeiten in einem 1995 erschienen Buch zu dokumentieren und so für die Nachwelt zu erhalten. Mit der Gründung der “Neuhoff-Fricke-Stiftung zur Förderung von Wissenschaft und Kunst“  im Jahre 1991 wurde das Startsignal für eine vielfältige, kreative und nachhaltige Kulturförderung gesetzt, die den öffentlichen Kulturauftrag in beispielhafter Weise ergänzt und durch innovative Ansätze erweitert. Hierzu zählen insbesondere die regionale Förderung künstlerisch und wissenschaftlich begabter Menschen durch einen Stiftungspreis, der 2003 um den Dr. Hildegard-Neuhoff-Fricke-Gedächtnispreis zur Förderung von Kunst an Schulen erweitert wurde. Den besonderen persönlichen Verbindungen Dr. Neuhoffs geschuldet, konnten für hochkarätige wissenschaftliche Vorträge nicht weniger als 4 Nobelpreisträger nach Nienburg geholt werden. Wertvolle Buch- und Forschungsprojekte werden durch die Stiftung  maßgeblich mitgetragen, u.a. die „Nienburger Garnison“ und die „Nienburger Stadtgeschichte“ von Mark Feuerle. Bereits seit dem Jahre 2000 unterstützt die Stiftung mit jährlich 15.400 € die renommierten Nienburger Meisterkonzerte im Giebelsaal  als Spitzenprodukt und kulturelles Aushängeschild Nienburgs. Regelmäßige Förderung erfährt aber auch das Nienburger Kulturwerk und die Galerie N im Bereich der bildenden Kunst. Zu den aktuell besonders zu erwähnenden Projekten zählt der maßgebliche Zuschuss zur künstlerischen Ausgestaltung des Bahnhofstunnels, die Förderung des Werkverzeichnisses „Ernst Thoms“ und vor allem die seit 2013 eingeleitete Aufwertung und Professionalisierung der Kunstausstellung „ars loci“ im Rathaus und in der St. Martinskirche mit dem ebenfalls gestifteten gleichnamigen Kunstpreis.

Die Reihe der initiierten oder geförderten wissenschaftlichen und kulturellen Projekte und Einrichtungen ließe sich leicht um viele Beispiele erweitern. Ohne Übertreibung kann aber festgestellt werden, dass durch Prof. Dr. Neuhoffs mäzenatisches Engagement über viele Jahre wertvolle Impulse für das kulturelle und gesellschaftliche Spektrum unserer Stadt ausgegangen sind, die durch die Verleihung einer Ehrenbürgerschaft eine adäquate Würdigung erfahren würden.

Eine Liste der derzeitigen Nienburger Ehrenbürger ist zur Information beigefügt. Ergänzende Informationen können bei Bedarf im Verlauf der Sitzung gegeben werden.

 

 

Die im Kulturausschuss behandelte Anlage zur Vorlage 4/009/2015 ist durch die Spalte „Grund für das Ehrenbürgerrecht“ erweitert worden. Die hier vorliegende Referenzvorlage ist ansonsten identisch.